Geburtstag und Geburtsbericht :: meine 2 Steißgeburten

Nun wird mein Baby schon ein Jahr alt… Ich denke gerade oft zurück, wie das war, als sie vor einem Jahr auf die Welt kam. Und was für ein Glück ich hatte, meine beiden Kinder so wie sie kommen wollten auf die Welt zu bringen: mit dem Po voran.

Ich weiß, das ist nicht selbstverständlich und wenn man in der Schwangerschaft mit einer Beckenendlage konfrontiert ist, hat man nicht immer so ein Glück die nötige Unterstützung und Begleitung zu finden, wie ich es hatte.

Ich möchte heute ein bisschen davon erzählen und damit vielleicht anderen Mut machen, die auch in der Situation sind.

Um es gleich vorweg zu sagen – es lief alles gut, es gab keine Komplikationen, meine beiden Kinder sind gesund und munter auf die Welt gekommen und auch mir ging es vor, während und nach der Geburt „ganz normal“, es wird hier also nichts schreckliches oder beunruhigendes zu lesen sein.

(Diese Befürchtungen hatte ich manchmal als Schwangere, wenn ich doch mal einen Geburtsbericht gelesen habe, denn ich wollte mich nicht unnötig mit möglichen Sorgen belasten. Denn Sorgen und Ängste, die hat man als Schwangere ja eh…)

Wie ging es mir, als es immer klarer wurde, dass meine Kinder sich in Beckenendlage gemütlich gemacht hatten und sich nicht mehr drehen wollten?

Die erste Schwangerschaft ist nun schon bald acht Jahre her, deshalb kann ich mich da nicht mehr so klar an Gefühle und Gedanken erinnern. Gedanken und Sorgen hab ich mir bestimmt gemacht, aber irgendwie hatte ich auch immer klar die Vorstellung einer spontanen Geburt. Ich wusste so oder so nicht, was auf mich zukam… Anstrengend war die Zeit, in der wir dann noch irgendwelche Sachen versucht haben, die eine Drehung begünstigen sollten, denn irgendwie fühlte es sich nicht stimmig an.

Als in der zweiten Schwangerschaft sich mein Baby immer noch in Beckenendlage befand zu einer Zeit, in der die meisten Babys schon mit dem Kopf nach unten liegen, hat es mich doch irgendwie durcheinander gebracht. Ich war irgendwie davon ausgegangen dieses Mal eine „normale“ Geburt erleben zu dürfen und mich schon gefreut, dass es dann wohl einfacher sein würde – zumindest demnach, was andere so erzählten. Ich glaube ich war nicht so locker wie beim ersten Mal, aber mein Mann behauptet anderes.

Welche Unterstützung hatte ich?

Beim ersten Kind wollte ich eigentlich eine Geburtsthaus-Geburt. Durch das Geburtsthaus hatte ich eine gute Hebammen-Begleitung, die mich sehr auf dem Weg zu einer natürlichen, spontanen Entbindung unterstützt hat. Ich hatte außerdem ein paar Bücher gelesen, die mich einfach in meiner inneren Kraft bestärkt haben.

Obwohl ich nicht im Geburtshaus entbinden konnte, wurde ich von einer der Hebammen auch in die Klinik begleitet, was für mich wirklich wichtig war. Diese war allerdings keine Beleghebamme und durfte während der Geburt im Krankenhaus keine Entscheidungen treffen, bzw. musste im Prinzip alles der Krankenhaushebamme überlassen. Aber für mich war wichtig, dass ich jemanden um mich hatte, den ich schon kannte.

Zudem hatte ich bei der ersten Geburt auch noch meinen Mann und meine Mutter dabei.

Die meisten Frauen mit denen ich darüber geredet habe, wollten ihre Mutter bei der Geburt nicht dabei haben. Für mich war es bei meiner ersten Geburt wichtig und gab mir einfach mehr Sicherheit. Bei der zweiten Geburt war es für mich schön, den großen Sohn gut bei ihr behütet zu wissen, während dieses Mal nur mein Mann und die Hebammen der Klinik bei der Geburt dabei waren. Besonders schön fand ich beim zweiten Mal, dass die Verbindung zu meinem Mann viel intensiver war, da ich ihn als einzige vertraute Person bei mir hatte.

Was war weniger produktiv?

Eine der Hebammen interpretierte die Beckenendlage auf eine Art psychologische Schiene, die ich vor allem im Nachhinein unpassend empfand. Sie fragte mich, ob ich denn wirklich im Geburtstshaus entbinden wollte (impliziert, die Beckenendlage suche ich mir unterbewusst aus, damit ich dort nicht entbinden kann), ich hätte nicht genug Zeit gehabt mich meiner Schwangerschaft zu widmen und mit meinem Kind zu reden (ich hab damals gerade noch meine letzen Prüfungen im Studium gemacht). Außerdem sollte ich deutlicher mit meinem Kind reden, damit es sich dreht. – Das hat mich verunsichert und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. Völlig unangebracht.

In der zweiten Schwangerschaft: zu viel im Netz und Büchern über Beckenendlage lesen. Völlig unnötig.

Was hat mir außerdem besonders geholfen?

Egal ob Beckenendlage oder nicht – das Schwangerenyoga war eine wunderbare Vorbereitung auf die Geburt und ich kann es nur jeder wärmstens empfehlen. In meiner ersten Schwangerschaft hab ich zum ersten Mal Yoga gemacht und bin dann direkt hängen geblieben, weil es so gut war.

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Wo habe ich entbunden?

Möglich war alles letztlich aber nur, weil ich das Glück hatte in der Nähe eines Krankenhauses zu wohnen, in dem Steißgeburten sozusagen auf der Tagesordnung stehen. Ich kann nicht genau sagen, ob es immer noch so ist, da die vor allem dafür verantworliche Ärtzin mittlerweile die Klinik gewechselt hat, es gab dort jeden Falls eine Reihe erfahrener Personen auf dem Gebiet der Steißgeburt. Ich wurde dort jedes Mal gründlich untersucht, ob es irgendwelche körperlichen oder sonstigen Gründe gäbe, die einer spontanen Geburt im Wege stehen könnten. Außerdem hatte ich die Gelegenheit darüber zu reden und bekam unterstützende Worte mit auf den Weg. Auch die Erzählungen über erfolgreiche Geburten mit Beckenendlage haben mich motiviert.

Krankenhaus war das Evangelische Diakoniekrankenhaus in Freiburg, die Ärztin Frau Basters-Hoffmann arbeitet mittlweile im Elisabethen Krankenhaus in Lörrach.

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Wie verliefen die Geburten?

Ich hatte zwei völlig normal Geburten. Von Seiten des Krankenhauses waren mehr Personen (zumindest kurzzeitig) anwesend, es gab Maschinen, die bereit gestellt wurden – vielleicht auch noch mehr, aber alles sehr zurückhaltend und so dass ich nicht viel davon mitbekommen habe.

Bei meinem ersten Kind bekam ich leichte Wehen in der Nacht und diese wurden langsam mehr über den Tag verteilt, ich ging viel spazieren und war in der Badewanne. Eine der Hebammen hatte am Tag zuvor prognostiziert, dass es eh noch ein paar Tage dauern würde, deswegen war ich noch nicht so weit zu glauben, dass es wirklich richtig los ging. Komisch, wie manchmal Aussagen anderer die eigenen Wahrnehmungen so beeinflussen können. Aber gut, es war auch meine erste Geburt. Als wir abends in Bett wollten, konnte ich aber nicht mehr liegen und die Hebamme, die wir dann anriefen kam und drängte dann schnell ins Krankenhaus zu fahren.

Dort dauerte es dann noch ca 2-3 Stunden kurz bis vor 3Uhr morgens, dann war mein Sohn da.

Leider fand die Geburt in einem noch nicht modern gestaltetem Gebärzimmer statt, es sah typisch wie Krankenhaus aus, weiß-grün-grau, ein einfaches Krankenbett drin. Ich weiß noch, wie ich bei der Besichtigung des Kreißsaales gedacht hatte, dass ich da auf keinen Fall gebären wollte. Und dann lag ich doch da. Ja, leider lag ich vor allem am Schluss, viel auf dem Rücken – so wie ich es mir gar nicht vorgestellt hatte und leider war die führende Hebamme auch eher vom alten Schlag… Andererseits war ich dann schon so in meinem eigenen Universum und da lief es dann einfach so…

Wir sind nach ein paar Stunden Erholung und einem Frühstück dann direkt wieder nach Hause gefahren. Das war sehr schön.

Und die zweite Geburt… begann mit einem Blasensprung um vier Uhr morgens. Das Fruchwasser kam allerdings nur ganz leicht und wir sind direkt ins Krankenhaus gefahren. Der große war noch dabei, durfte uns in den Kreißsaal begleigten bis meine Mutter ihn dort abholte. Ich fand es irgendwie gut, dass er uns noch ein Stück begleiten durfte und nun ein Bild davon hatte, wo wir waren und wo seine Schwester auf die Welt kommen würde.

Den Vormittag verbrachten wir mit Spazieren gehen (und entschieden uns dabei endlich für einen Namen), frühstücken (ich bekam nicht viel runter und konnte nicht mehr sitzen) und Zeitschriften lesen, bis die Wehen am späten Vormittag deutlich stäker wurden und wir uns gemeinsam darauf konzentrierten.

Wegen des Blasensprungs hatte ich was Wehenanregendes bekommen und dann gab es noch einen Schichtwechsel und plötzlich ging es recht schnell.

Tatsächlich war ich wieder im gleichen Zimmer, das allerdings nicht wieder zu erkennen war. Mit einer warmen Farbe gestrichene Wände und ein Bett für Gebärende, das ich vor allem nun um Verlgeich sehr zu schätzen weiß.

So kam meine Tochter auf die Welt, während ich auf dem Bett hockte und meine Finger um die obere Stange krallte und in das Kissen schrie und biss. Und ich konnte es gar nicht glauben, dass schon alles vorbei war…

Mitten an einem sonnigen Tag und mitten in der Nacht zu gebären waren wirklich auch deshalb zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen, weil ich beim ersten Mal viel müder, beim zweiten Mal klarer und wacher war. Die Müdigkeit kam dann aber danach und wir blieben eine Nacht im Krankenhaus bis wir dann am nächsten Morgen nach Hause fuhren.

Mir wurde gesagt, dass es bei einer Steißgeburt länger in einer schmerzhafen Phase dauert und das dicke Ende dann am Schluss kommt. Mag vielleicht sein, ich hab jedenfalls keinen Vergleich und auch wenn beide meine Geburten Steißgeburten waren, so waren sie doch auch sehr unterschiedlich.

So wie jede Geburt völlig einzigartig ist.

So will ich dann mal für heute schließen mit einem tiefen Gefühl von Dankbarkeit und mit vielen guten Wünschen an alle Gebärenden da draußen!

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Ein Gedanke zu “Geburtstag und Geburtsbericht :: meine 2 Steißgeburten

  1. Schön, positive Geburtsberichte von BELs zu lesen! Ich selbst hatte auch ein Steißlagenbaby und mir bis zur 40 ssw kaum Gedanken gemacht. Geplant war eine Hausgeburt, als sich das Baby aber bis zuletzt nicht drehen wollte, ging ich in ein KH, wo Steißgeburten gemacht werden – ist ja leider nicht so üblich….
    Leider hatte unser Baby zusätzlich die Nabelschnur um den Hals und so wollte man uns nicht bei der spontanen Geburt begleiten und es wurde ein Kaiserschnitt, allerdings kein Termingeplanter sondern nach Wehenbeginn.
    Auch ich habe Yoga und diverse Übungen gemacht und es fühlte sich irgendwie nicht stimmig an, ich wollte das Baby nicht überreden, sich zu drehen, wenn es nicht wollte bzw. in meinem Fall gar nicht konnte!
    Deine Berichte sind sehr ermutigend. Interessant, dass beide Kinder in Steißlage auf die Welt kommen wollten 😊
    Greets Cao

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